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Mittwoch, Juli 24, 2024

Webers Wissenschaftsfreiheit: „Politik gehört nicht in den Hörsaal“

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Studenten, die politische Parolen aggressiv in Universitäten tragen, sind kein neues Phänomen, wie Max Weber vor 100 Jahren erfahren hat. Seine Schlussfolgerungen gelten auch für Professoren: Politik gehört nicht in den Hörsaal. Diese Woche wurde viel über Wissenschaftsfreiheit diskutiert, nachdem Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger ihre Staatssekretärin Sabine Döring entlassen hat, die prüfen wollte, ob Wissenschaftlern Fördergelder wegen eines offenen Briefes entzogen werden sollten.

In dem Brief kritisierten Dozenten und Professoren die vorschnelle Räumung eines Protestcamps von Hamas-Sympathisanten an der Freien Universität Berlin. Die Kontroverse wirft die Frage auf, was Wissenschaftsfreiheit bedeutet und ob sie das Recht auf politische Meinungsäußerungen beinhaltet. Laut Max Weber sollten Politik und Proteste nicht in den Hörsaal getragen werden, weder von Studenten noch von Professoren. Weber betonte, dass das Hierarchiegefälle Lehrern verbiete, ihre politische Meinung auf die Studenten zu übertragen.

Weber beklagte in seinem Vortrag „Wissenschaft als Beruf“ jegliche politische Störung im Hörsaal, ob von pazifistischen oder nationalistischen Studenten. Er betonte, dass die Lehrer im Hörsaal sprechen und die Studenten schweigen sollten. Auch die indirekte Beeinflussung durch Suggestion sei illoyal. Es bleibt spekulativ, wie Weber das Verhalten der heutigen Briefschreiber und Dozenten in sozialen Medien beurteilen würde, aber vermutlich wäre er der Ansicht, dass solange politische Ansichten nicht aufgezwungen werden, Dozenten privat nicht kritisiert werden sollten. Doch die Trennung zwischen politischer Meinungsäußerung und Lehre wird in Zeiten sozialer Medien immer schwieriger aufrechtzuerhalten.

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