24.4 C
Frankfurt am Main
Monday, September 14, 2026

Shincheonji warnt vor politischer Instrumentalisierung – Verweis auf Religionsfreiheit in Südkorea

Muss lesen

FRANKFURT AM MAIN / SEOUL, 21. Januar 2021 – Die Shincheonji Kirche Jesu, die in Deutschland nach eigenen Angaben durch die Deutschland Zion Gemeinde e.V. in Frankfurt vertreten wird, hat eine Stellungnahme zur politischen Debatte in Südkorea veröffentlicht. Darin erhebt die Glaubensgemeinschaft den Vorwurf, die südkoreanische Regierung mache eine religiöse Minderheit zum Ziel staatlicher Maßnahmen und nutze Machtmittel in „vergeltender Weise“. Aus Sicht der Kirche berührt dies Grundsätze der Religionsfreiheit sowie die Trennung von Staat und Religion, wie sie in Artikel 20 der Verfassung der Republik Korea garantiert seien.

Kritik an Aussagen aus der Staatsführung

Auslöser der Erklärung sind Äußerungen führender Regierungsvertreter Mitte Januar. Am 12. Januar sagte Präsident Lee Jae-myung bei einem Treffen mit religiösen Führern, „gesellschaftlicher Schaden [verursacht durch eine bestimmte Religion]“ sei „zu lange vernachlässigt“ worden. Einen Tag später verwendete Premierminister Kim Min-seok in einer Kabinettssitzung Begriffe wie „Sekte“ und „Ketzerei“ und ordnete eine gemeinsame Untersuchung sowie Maßnahmen zur „Ausrottung“ an.

Die Shincheonji Kirche Jesu interpretiert diese Wortwahl als Vorwegnahme von Ergebnissen, noch bevor eine Untersuchung begonnen habe. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme:

„Diese Aussagen nehmen effektiv ein Ergebnis vorweg, noch bevor eine formelle Untersuchung begonnen hat. Eine solche Rhetorik seitens der Spitze der Exekutive brandmarkt eine spezifische religiöse Gruppe präventiv als ‚sozial problematisches Gebilde‘. Dies kann dahingehend interpretiert werden, dass das ordnungsgemäße Verfahren und die Grundsätze des Ermittlungsprozesses beeinträchtigt werden.“

Einmischung in Glaubensfragen?

Über die politische Rhetorik hinaus richtet sich die Kritik der Kirche gegen das, was sie als „einseitige Einmischung durch die Staatsgewalt“ bezeichnet. Die Behörden überschritten verfassungsrechtliche Grenzen, wenn die Gruppe im Zuge einer laufenden Untersuchung bereits als „Sekte“ dargestellt werde, so die Argumentation.

Die Gemeinschaft stellt dabei grundsätzlich die Legitimität eines staatlichen Eingriffs in theologische Bewertungen infrage: „Mit welcher Autorität definiert und beurteilt eine säkulare Regierung religiöse Doktrinen? Auf welcher rechtlichen Grundlage gibt der höchste Sitz der Macht ‚Ermittlungsrichtlinien‘ vor, die die Unabhängigkeit der Justiz untergraben?“

„Orthodoxie“ oder „Ketzerei“ dürften nicht nach politischen oder weltlichen Interessen bestimmt werden, sondern müssten allein in der Heiligen Schrift begründet sein, heißt es weiter. Die Kirche zieht zudem historische Parallelen zur Verfolgung der frühen Christen und erinnert daran, dass auch Jesus einst vom religiösen Establishment als „Ketzer“ bezeichnet worden sei.

Angebot zur „öffentlichen Bibelprüfung“ – Verweis auf Freisprüche

In ihrer Mitteilung betont die Shincheonji Kirche Jesu, sie habe mehrfach eine offene Klärung theologischer Differenzen vorgeschlagen – durch eine öffentliche Bibelprüfung. „Bis heute gab es keine faire Reaktion auf diese Einladung“, erklärt die Gemeinschaft. Zugleich weist sie darauf hin, keine Unfehlbarkeit zu beanspruchen und bereit zu sein, konkrete Fehler zu korrigieren – diese müssten jedoch benannt und dürften nicht pauschal behauptet werden.

Außerdem verweist die Kirche auf frühere juristische Verfahren, die trotz zahlreicher Anschuldigungen wiederholt in Freisprüchen geendet hätten. Das erneute Aufgreifen bereits gerichtlich behandelter Vorwürfe für politische Angriffe lasse Beobachter fragen, ob dies noch den Standards eines demokratischen Rechtsstaates entspreche.

Appell gegen „Sündenbocksuche“

Zum Abschluss richtet die Kirche einen Appell an Präsident und politisches Establishment, sich von einer „Politik der Sündenbocksuche“ zu lösen. Aufgabe des Staates sei es, zu gewährleisten, dass niemand wegen seines Glaubens ausgegrenzt werde. In der Stellungnahme heißt es:

„Wenn heute eine Religion ins Visier genommen wird, könnte morgen jede andere marginalisierte Gruppe das Ziel sein. Die Shincheonji Kirche Jesu wird im Rahmen von Recht und Ordnung fest in Wahrheit und Glauben stehen und sich nicht zum Schweigen bringen lassen.“

Die Mitglieder der Kirche hätten ihre Aufrichtigkeit als Bürger der Republik Korea „durch Taten bewiesen“ – unter anderem durch Zusammenarbeit mit Behörden, Blutspenden und Freiwilligenarbeit. Die Regierung solle zu ihrer Pflicht zurückkehren, allen Menschen gleichermaßen zu dienen.

Hintergrund

Die Shincheonji Kirche Jesu beschreibt sich als christliche Glaubensgemeinschaft. Die Gemeinde in Frankfurt am Main engagiert sich nach eigenen Angaben im gesellschaftlichen Leben und wird rechtlich durch die Deutschland Zion Gemeinde e.V. vertreten.

More articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Der neueste Artikel